Frühlingsgedichte

liebevoll gedichtet von unserem choreigenen Autor…

Bitterer Honig
von Eberhardt Börner, März 2020

Am Bienenstock nah bei den Wiesen
saß ich – ganz still – ,
doch summt‘ ich leise mit.
Die Bienen flogen emsig ein und aus,
sie füllten reich ihr Wabenhaus.
Ich sah schon Milch und Honig fließen
und träumt‘, dort müsst‘ man wohnen.
Nur störte mich das Schicksal aller Drohnen.


Märzenschnee
Eberhardt Börner, März 2020

Ist Märzenschnee der letzte Rest
vom Winter, der uns ahnen lässt,
wie’s hätt‘ vor Wochen schneien sollen?
Doch viel zu träge war Frau Hollen.

Sie schlief hoch oben in den Wolken
und wollt‘ dem Jahreslauf nicht folgen.
Nun schickt sie vor der Osterfeier
kaltnassen Schnee auf bunte Eier.

Wer aber Frühlingslieder singt,
Frau Hollen rasch den Sieg abringt.


„Sah ein Knab‘ ein Röslein stehn …“
Eberhardt Börner, März 2020

Entschuldigung, ich weiß, die Worte sind von Goethe.
Ich weiß auch, wer das Röslein war:
ein Mädchen, jung – wie wunderbar,
mit Wänglein voller Röte.

Riekchen hat er sie genannt, geliebt voll heißer Glut.
Doch wollt‘ er sich an sie nicht binden,
konnt‘ nur manch Verslein für sie finden.
Der Lyrik tat die Liebe gut.

Wer aber war wohl der wilde Knabe?
Eine Freundin Riekchens, die diese um viele Jahre überlebte,
meinte im hohen Alter:
„Erst hat er unser Riekchen verführt,
und dann hat man nie wieder etwas von ihm gehört.

“Also, wer war’s?


Später Frühling?
Eberhardt Börner, März 2020

Wo hat er sich denn heut‘ versteckt,
der liebe Lenz, der mich noch immer neckt?
Rauscht er im Wald von Baum zu Baum?
Oh nein – ich weiß und glaub‘ es kaum – ,
er sitzt auf meinem lila Flieder
und plustert keck sein bunt‘ Gefieder.

Doch kaum hab‘ ich mich zugesellt,
um mehr zu schau’n von seiner bunten Welt,
da fliegt er auf, der Schelm, und singt
ein Lied, dass frisch ins Herz mir springt:
Glaub mir’s, in deinen Abendtagen
kannst du den Frühling auch erjagen.